8. März - Internationaler Frauentag

"International" stimmt sicherlich nicht mehr und bei "national" gibt es erhebliche Abstriche. Doch eins stimmt noch. In dem Kreis, in dem ich lebe, Familie, Freunde, Organisationen, hat dieser Tag noch einen bedeutenden Stellenwert. Glückwünsche, kleine Aufmerksamkeiten und Einladungen zu Veranstaltungen begleiten diesen Tag. Am 8. März diesen Jahres bin ich zu einer Frauentagsveranstaltung der GRH nach Berlin eingeladen. An einem solchen Tag gehen die Gedanken auch zurück in die Zeit, wo die Gleichberechtigung der Frau noch in der Verfassung des Staates, der DDR, verankert war. Die verschiedenen  Abschnitte meines Lebens, als Grenzerfrau, mit einer jungen Familie mit 2 kleinen Kindern ,7Umzüge in immer wieder neue Standorte und später auch selbst Angehörige der Grenztruppen, brachten schon manche Herausforderung mit sich. Bei allen damit verbundenen Problemen fühlte ich mich nicht allein gelassen. Obwohl natürlich die Durchsetzung der Gleichberechtigung der Frau ein Prozeß war und nicht überall die Theorie mit der Praxis vollkommen übereinstimmte, spürte ich doch, dass meine Belange als Frau Berücksichtigung fanden. So war  die Betreuung der Kinder gewährleistet, ich fand immer wieder eine neue Arbeitsstelle und konnte zudem auch noch aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wenn ich jedoch daran denke, dass eine Frau in der alten BRD bis 1972 noch die Genehmigung ihres Ehemannes brauchte, um ein eigenes Konto zu eröffnen, meine ich, dass die Stellung der Frau in unserer damaligen Republik schon einen bedeutend höheren Stellenwert hatte. Noch eins scheint mir besonders bemerkenswert. Es war die Solidarität der Frauen untereinander. Das tägliche Leben brachte manchmal auch Probleme mit sich, die in kurzer Zeit gelöst werden mussten. Immer fand sich eine Freundin, Arbeitskollegin oder Nachbarin bereit, helfend einzugreifen. Das beruhte selbstverständlich auf Gegenseitigkeit und prägte somit das Zusammenleben. Natürlich war der 8. März immer der Höhepunkt für die Anerkennung der Rolle der Frau in der Gesellschaft und Würdigung ihrer Verdienste. Ich weiß von vielen Veranstaltungen auf den verschiedensten Ebenen, wo dieser Tag mit sehr viel Aufmerksamkeit und Anerkennung gestaltet wurde. Es war ein Spektrum vom Kaffee kochen und Kuchen servieren durch die Männer bis hin zu feierlichen Ehrungen und Anerkennungen. Ich muss heute noch darüber staunen, wie es möglich war, dass in dieser Jahreszeit so viele Blumensträuße für uns zur Verfügung standen. Denn es gab ja schließlich keine "Holländer", die mal schnell ein paar tausend Sträuße vorbei brachten. Während der Zeit, in der ich im Sekretariat des Stellvertreters des Ministers und Chefs der Grenztruppen diente, war ich auch in die Vorbereitung von Großveranstaltungen einbezogen. Der Chef empfing jedes Jahr am 8. März verdienstvolle Frauen der Grenztruppen angefangen von der Küchenfrau aus der Grenzkompanie bis zur Chefsekretärin. Dieser Tag war verbunden mit kulturellen Maßnahmen, einer Auszeichnungsveranstaltung und einem abschließenden festlichen Abend. Es war eine gute Gelegenheit für die Teilnehmerinnen, mit den Vorgesetzten im Kommando der Grenztruppen Gespräche zu führen, Vorschläge zu unterbreiten oder Wünsche zu äußern. Diese Gelegenheit wurde weitestgehend genutzt; ehrlich und unbekümmert, wie es uns Frauen in der DDR so eigen war. Am 8.März 1988 war auch ich Teilnehmer der Auszeichnungsveranstaltung bei unserem Chef. Es war eine Situation hoher Anspannung und freudiger Erwartung. Dann stand der Chef vor mir, ernannte mich zum Fähnrich und überreichte mir die neuen Schulterstücke. Meine Freude darüber wurde plötzlich von dem Gedanken unterbrochen, dass sich alle nach der Veranstaltung mit ihrem neuen Dienstgrad oder mit der Auszeichnung bei ihrem Vorgesetzten melden mussten. Und anschließend war ja auch noch der festliche Abend. Für mich war das aber ein Problem, denn die Fähnrichuniform unterschied sich grundlegend von meiner bisherigen. Noch vollkommen verzweifelt sah ich plötzlich am Ende des Saales 2 Genossen unseres Sekretariats, die mir zuwinkten und strahlend eine komplette Fähnrichjacke in meiner Größe in die Höhe hielten. Mir fiel ein Stein vom Herzen und nun konnte ich erst richtig meiner Freude freien Lauf lassen. Es sind eben auch die kleinen Dinge, die glücklich machen. 

Liebe Grenzerfrauen und Sympathisanten, herzlichen Glückwunsch zu unserem Ehrentag. 

Lasst uns gemeinsam stolz sein auf das, was wir vollbracht haben. 

Eure Helena Peplinski Oberfähnrich a. D.

1.März – Gründungstag der NVA Gedanken und Erinnerungen

An diesem Tag treffen sich die ehemaligen Angehörigen der NVA und der Grenztruppen der DDR auf den verschiedensten Ebenen und in unterschiedlichen Kollektiven, um daran zu erinnern, welchen Beitrag sie zur jüngsten Geschichte geleistet haben. Der sichere Schutz des ersten deutschen Arbeiter – und Bauernstaates, seiner Grenzen und der Beitrag zur Erhaltung des Friedens in einer spannungsgeladenen Zeit stehen dabei immer wieder im Mittelpunkt. Gern denken wir noch an die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der NVA in DEMEN im Jahr 2016 zurück, die beispielhaft und mit hohem Arrangement vorbereitet und durchgeführt wurden. Unsere Gedanken sind auch bei denen, die nicht mehr unter uns weilen und in bedeutenden Abschnitten ihres Lebens ihre Pflichten als Angehörige der bewaffneten Organe ehrenvoll erfüllten. Der Vorstand der IGRA besucht an diesem Tag in Begleitung seiner Ehefrau, Hannelore Baumgarten, das Grab des ehemaligen Stellvertreters des Ministers für Nationale Verteidigung und Chefs der Grenztruppen der DDR, Generaloberst a. D. Klaus Dieter Baumgarten. Am 17. Februar jährte sich zum 10. Mal sein Todestag. Am 1. März 2008 erwiesen wir ihm die letzte Ehre mit einer würdevollen Trauerfeier und dem letzten Geleit zur Beisetzung auf dem Friedhof in Eichwalde. Wir gedenken an diesem Tag nicht nur unserem Freund sondern auch ganz besonders dem Chef, der sich nach den Ereignissen von 1989 in der Öffentlichkeit und in den Gerichtssälen vor die Angehörigen der Grenztruppen stellte und die Verantwortung für die auf der Grundlage der Gesetze der DDR beruhenden Handlungen der Grenztruppen der DDR übernahm. Gemeinsam mit vielen anderen stand er im Ergebnis einer beispiellosen Rechtsbeugung durch die BRD – Justiz vor den Schranken des Gerichts und musste sich für Straftaten verantworten, die er nie begangen hatte. Auch Genossen des Vorstandes der IGRA waren davon betroffen. Nach dem Willen der Bundesregierung sollte die Liquidierug der DDR gründlich, nachhaltig und auf allen Gebieten erfolgen; so natürlich auch auf dem Gebiet der Sicherheit und Landesverteidigung. Die Spuren dieser politischen und juristischen Willkür gehen bis in die heutige Zeit. Deshalb hören wir auch nicht auf, für die Rehabilitierung der Betroffenen einzutreten und unsere Geschichte, so wie sie sich wirklich vollzogen hat, darzustellen.

 

Hans Peplinski Oberst a. D.